Interview mit Herrn Thomas Hofbauer – Leiter des Crowdfunding-Projektes „Viele schaffen mehr“

Vor einem Jahr im Oktober hat die VR-Bank Rottal-InneG als erste Genossenschaftsbank in Bayern ein so genanntes Crowdfunding-Projekt gestartet. Die erfolgreiche Internet-Plattform kann jetzt auf eine noch breitere Basis gestellt werden. Die Bürgermeister der drei Landkreis-Städte unterzeichneten dazu am 24. September eine Kooperationsvereinbarung mit der Bank (mehr unter dem Link).

Die Kooperationsvereinbarung unterzeichneten Wolfgang Beißmann (Pfarrkirchen), Wolfgang Grubwinkler (Eggenfelden) und Klaus Schmid (Simbach).

In diesem Interview sprechen wir mit Herrn Thomas Hofbauer (Projektleiter).

„Viele schaffen mehr“

Thomas Hofbauer, Leiter des Crowdfunding-Projektes „Viele schaffen mehr“

 

 

  1. Sehr geehrter Herr Hofbauer, seit einem Jahr nur existiert die Crowdfunding-Internet-Plattform „Viele schaffen mehr“ der VR-Bank Rottal-Inn eG und ist trotzdem schon erfolgreich. Erinnern Sie sich jetzt noch daran, wie es alles begonnen hat?

Im Oktober sind wir mit der Crowdfunding-Plattform gestartet. Die Vorbereitungszeit begann bereits ein dreiviertel Jahr vorher. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir als Genossenschaftsbank die genossenschaftlichen Grundgedanken „Viele schaffen mehr“ für unsere Kunden und unsere Mitglieder erlebbar machen können. Und dann kamen wir auf das Thema Crowdfunding oder auf Deutsch auch „Schwarmfinanzierung“ – Viele helfen zusammen mit einem kleinen Beitrag, um ein gemeinsames Projekt zu unterstützen. So war die Grundidee geboren. Der zweite Aspekt, der auch noch eine Rolle spielte, – wir teilen unsere Spenden auf viele Vereine auf, so dass jeder einen kleinen Geldbetrag von uns bekommt. Dieser Geldbetrag reicht aber für große Projekte nicht aus, es ist dadurch so wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Mit dem Crowdfunding-Projekt haben wir aber eine Möglichkeit, wirklich eine Projektfinanzierung zu starten. Als wir letztes Jahr mit dem Thema Crowdfunding in einer Presse-Konferenz gestartet haben, haben wir bemerkt, dass das Thema Crowdfunding in unserer Region noch keine Bedeutung hatte und viele Menschen eben nicht wussten, worum es geht und womit man anfangen soll. Und das Logo „Viele schaffen mehr“, das wir verwenden, ist zum Begriff in unserer Region geworden.

  1. Warum finden Sie das Projekt „Viele schaffen mehr“ wichtig?

Für uns, als eine regionale Bank, ist das Projekt wichtig, weil wir die Möglichkeit haben, obwohl wir uns damit im Internet-Kanal befinden, trotzdem regional wirken zu können. D.h. das Internet ist zwar ein WEB, trotzdem können wir unsere Region, unsere Mitmenschen und unsere Vereine über das Internet fördern. Wir haben viele Vereine, die sehr viel in der Region leisten, aber mittlerweile die Mitgliederzahlen rückgängig sind und Geldquellen für diese Vereine immer weniger werden. Und hier können wir gegensteuern und den Vereinen helfen.

  1. Wie würden Sie die Rolle der Bank in diesem Projekt einschätzen? Haben die Banken auch eine Verantwortung für die Projektfinanzierung von bürgerlichen Initiativen?

Die Bank stellt die Plattform zur Verfügung – das ist die zentrale Aufgabe. Verantwortlich für das Projekt ist aber der Verein (sogenannte Projektinitiator) selbst, der selber gucken muss, ob die Projekte laufen und erfolgreich sind.

Das Crowdfunding-Projekt liegt uns so am Herzen, dass wir auch die einzelnen Projekte unterstützen. Zu jeder Spende legen wir noch 25% obendrauf.

  1. Und jetzt, nachdem das erste Jahr schon vorbei ist, welche wichtigen Projektergebnisse würden Sie hervorheben?

Das wichtigste Ergebnis ist sicherlich, dass wir innerhalb eines Jahres schon knapp 100 000 Euro eingesammelt haben (genauer gesagt, 95 000 Euro). Damit konnten wir 21 Projekte realisieren und sind auch sehr stolz darauf. Wir waren die erste Bank in Bayern, die sich an dieses Crowdfunding- Projekt herangetraut hat. Und immer, wenn man etwas Neues beginnt, hat man das Risiko zu scheitern. Und natürlich wird nicht jedes System in der Region angenommen. Aber mittlerweile haben wir festgestellt, dass viele Vereine an dem Projekt teilnehmen wollen.

 

  1. Wie sehen Sie die Zukunft dieser Plattform „Viele schaffen mehr“ und die Zukunft der Projekte, die dank der Plattform realisiert wurden?

Grundsätzlich wird diese Bank-Plattform solange existieren, wie sie die Region nutzt, d.h. wenn niemand mehr einen Bedarf hat, sehen wir auch keinen Grund das Projekt nicht einzustellen, dann ist es natürlich das Ende dieser Plattform. Und wie es weiterentwickelt wird, häng voll von der Region ab. Es wäre natürlich schön, wenn unsere Crowdfunding-Plattform oder dieses „Viele schaffen mehr“ – Logo ein Teil unserer Identität wird, was wir uns wünschen würden. Und natürlich, dass andere Genossenschaftsbanken vielleicht auch darauf aufspringen, ebenfalls Crowdfunding zu betreiben, sodass wir ein flächendeckendes Netz über unsere Geschäftsgebiete legen könnten.

  1. Da Sie bereits Erfahrung in diesem Bereich gemacht haben, was würden Sie anderen empfehlen, die etwas Ähnliches initiieren wollen?

Wichtig ist immer eine gute Vorbereitung, Entwicklung einer Strategie und auch ganz wichtig ist, dass die Mitarbeiter im Hause hinter diesem Projekt stehen, weil das ein Teil der Unternehmenskultur werden muss und nicht nur als Projekt angesehen werden muss.

  1. Haben Sie irgendwelche persönlichen Erlebnisse, die Sie mit diesem Projekt „Viele schaffen mehr“ verbinden? Wenn ja, welche?

Ja, auf alle Fälle. Die Erlebnisse, die ich hier in diesem Jahr mitnehmen durfte, sind vor allem mit dem Thema der Projektbegleitung verbunden. Wir haben festgestellt, dass das Crowdfunding mehr als eine Projektfinanzierung ist. Hier spielen viele psychologische Aspekte mithinein, hier werden Teamgeister geweckt und das macht einfach Spaß. Sehr beeindruckt hat mich eine Poliogruppe, das ist ein Verein von Polio-Kranken, die am Anfang sehr gezögert haben und kein Projekt einstellen wollten, weil sie gedacht haben, dass die Region und die anderen Menschen mit diesen kranken Menschen nicht konfrontiert und davon nicht belästigt werden wollen. Aber der Erfolg hat ihnen dann gezeigt, dass dieses Projekt „Viele schaffen mehr“ bei uns in der Region sehr gut ankam, dass sie jetzt die Unterstützung erhalten haben. Dieser Verein und die einzelnen Leute, die ich kennenlernen dürfte, haben eine unglaubliche Dankbarkeit ausgestrahlt. Und das war ein schönes Erlebnis.

  1. Würden Sie anderen Städten solche Plattform empfehlen? Und wenn ja, worauf sollten diese achten?

Ich würde empfehlen so eine Plattform einzuführen, da ich denke, dass die Initiative in Richtung Gemeinwohl immer wichtiger in unserer Gesellschaft wird. Und dass man wirklich noch eine Bereitschaft hat, dass wir zusammen helfen und auch zusammengehören. Dafür braucht man natürlich extra Ressourcen, wie z.B. Personalressourcen, die sich speziell um das Crowdfunding kümmern. Und das muss natürlich eingeschätzt werden, ob eine Unternehmung sich das leisten kann.

Vielen Dank für Ihre Zeit und für das nette Gespräch!

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